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Cooles Tool - kurz vorgestellt: X-LR Lightroom Plugin

Für alle, die mit Fuji-X Kameras fotografieren und ihre Fotos zumindest manchmal in Lightroom entwickeln gibt es seit einiger Zeit ein - wie ich finde ziemlich cooles - neues Plugin: X-LR

Dieses Plugin liest aus den Raw-Dateien der Fuji Kameras (und zwar aller derzeitig erhältlichen Kameras der X-Serie sowie der GFX) die verwendete Filmsimulation aus und übersetzt sie in die daran angelehnten Lightroom-Profile. Dies geschieht automatisch mit Aufruf des Plugins, so dass man sich nicht mehr merken muss welches Foto nun mit welcher Simulation geschossen wurde.

Eine wie ich finde sehr praktische Sache. Aber es kann noch mehr: zusätzlich oder alternativ zu den Lightroom-Profilen kann man auch eigene Presets angeben, die dann verwendet werden. Also z.B. dass alle Fotos, die mit Velvia fotografiert wurden statt (oder in Ergänzung zu) Velvia nun mit einem persönlichen Preset behandelt werden.

Eine weitere coole Sache ist, dass sich hiermit die Stern-Bewertungen, die man in der Kamera vornehmen kann, auf Lightroom übertragen lassen, was ja ohne dieses Plugin leider nicht geht (zumindest Stand Juni 2017).

Wie funktioniert das nun?

Installation

Ich beschreibe die Installation auf einem Windows-System (Win10). MAC-User müssen sich die für ihr System passenden Analogien suchen (wenn ich auch eine Anleitung für MAC schreiben soll kann ich das gerne tun, nachdem ihr mir dafür einen MAC zur Verfügung gestellt habt ;-). Nachdem man das Plugin heruntergeladen hat muss man es noch entpacken. Dann hat man einen Ordner "jb_XLR.lrplugin". Diesen kopiert man nun in das Plugin-Verzeichnis von Lightroom, bei mir ist das: C:\Users\Volker\AppData\Roaming\Adobe\Lightroom\Modules

Dann startet ihr Lightroom und wählt aus dem "Datei" Menü den "Zusatzmodul-Manager".

Dort klickt ihr dann auf "Hinzfügen" und wählt den Pfad und den Ordner "jb_XLR.lrplugin" aus. Jetzt kommt noch schnell die Konfiguration des Plugins. Wenn ihr es schon gekauft habt, könnt ihr unter "Registration Code" euren Code eingeben und die Test-Limitierung auf 5 Fotos abschalten. An weiteren Einstellungen reicht dies hier völlig aus:

Das war es auch schon. Am besten jetzt Lightroom einmal neu starten und schon kann es losgehen.

Bedienung

Die Bedienung ist denkbar einfach: ihr wählt die Fotos in der Bibliothek oder im Entwickeln-Modul aus und ruft im Menü "Datei" unter "Zusatzmoduloptionen" unter "jb X-LR" "Filmsimulationsprofile auf ausgewählte Fotos anwenden" aus. Folgendes Fenster erscheint:

Hier könnt ihr nochmal auswählen, ob das Plugin alle Simulationen berücksichtigen soll, oder nur manche. Ihr könnt auch unter "Vorgaben" eigene Vorgaben auswählen.

Im Reiter "Weitere Optionen" könnt ihr dann noch die Sternebewertungen aus der Kamera übernehmen sowie Stichwörter zuweisen, Schnappschüsse erstellen, usw.

Fazit

Soviel zur Beschreibung dieses wirklich nützlichen Tools. Ich habe diesen Artikel geschrieben weil mir das Plugin gefällt, ich habe keinerlei Beziehungen zum Autor und bekomme auch nichts dafür. Weitere Details bitte daher direkt auf der Plugin-Seite nachlesen, bzw. beim Autor erfragen.

Mein erstes Fotobuch

Ja, ich gebe es zu: ich hatte bis vorige Woche noch nie ein Fotobuch erstellt. Ich wollte immer, kam aber irgendwie nie dazu, aus den verschiedensten Gründen. Da traf es sich dann gut, dass mein bevorzugter Druckdienstleister @SaalDigital eine Aktion gestartet hat, wo man für Test und Review eines Fotobuches einen entsprechenden Gutschein bekam. D.h. mein erstes Fotobuch hat mich kein Geld gekostet. Trotzdem schreibe ich meine ehrliche Meinung völlig unbeeinflusst von SaalDigital.

Die erste Überlegung war natürlich, welches Thema das Fotobuch haben würde. Ich habe überlegt ob ich meine Frankfurt-Fotos nehme oder ein Glemseck-Treffen. Letztendlich habe ich mich dann für einen Querschnitt aus meinen bisherigen Model-Shootings entschieden.

Meine Empfehlung ist es, sich die Bilder aus dem Bestand herauszusuchen und der Einfachheit halber in einen neuen Ordner für das Fotobuch zu legen. Denn dann kann man diesen Ordner in der SaalDigital Software öffnen und die Bilder dann einfach auf das Fotobuch ziehen, ohne sie noch langwierig in den verschiedenen Archivverzeichnissen suchen zu müssen.

Kommen wir zur Software. SaalDigital stellt für alle Bestellungen eine Software bereit, die ich daher schon öfter genutzt habe (Abzüge, Wandbilder, etc). Nur noch nie für ein Fotobuch. Zuerst wählt man das gewünschte Fotobuch-Format aus, ich habe mich für diesen Review für A4 hochkant entschieden. Ich hätte im Querformat ungefähr die selbe Anzahl an Fotos gehabt, aber das Hochformat war gerade im Angebot, so dass ich mit dem Gutschein auskam und noch ein wattiertes Cover nehmen konnte. :-)

Nächster Schritt ist das "Tuning" des Fotobuches: Art des Covers, Geschenkverpackung, Cover mit oder ohne Wattierung, Cover und Inhalt glänzend oder matt (getrennt auswählbar), Anzahl Seiten, usw. Die Anzahl der Seiten kann man später noch einfach erweitern, nur nicht unter die Mindestzahl von 26 Seiten reduzieren.

Dann geht es an den schwersten Part, die Gestaltung mit den Bildern. Ich hatte aus Furcht vor diesem Schritt immer vor einem Fotobuch zurückgeschreckt weil ich dachte, dass ich das nicht schön hinbekomme und eigentlich auch nicht einfach ein Foto formatfüllend auf jede Seite klatschen wollte.

In der Software von SaalDigital kann man unter verschiedenen Designs und dort dann unter vielen Seitenvorlagen wählen. Wenn eine Vorlage mal nicht 100% die eigenen Ideen widerspiegelt, lässt sie sich auch noch individuell anpassen, das habe ich aber nur einmal für die Vergrößerung eines Bildplatzes genutzt.

Man wählt also eine Vorlage für die aktuelle Seite und kann dann einfach die Bilder in die dafür vorgesehenen Rahmen ziehen. Dort kann man sie dann noch skalieren oder im Rahmen des Bildes noch den gezeigten Ausschnitt verschieben, wenn man möchte auch Textfelder einfügen und beschriften.

Wie gesagt habe ich sowas zum ersten Mal gemacht, dafür ging es dank der Unterstützung der Software eigentlich ganz easy von der Hand. Ist man mit der Gestaltung fertig sollte man sich das ganze Fotobuch noch einmal genau anschauen und die eigene Arbeit überprüfen. Einige Mängel erkennt die Software bei einem Prüflauf von alleine und macht z.B. auf nicht ausgefüllte Textfelder aufmerksam.

Nach der Überprüfung wandert das Fotobuch dann in den Warenkorb, man füllt die entsprechenden Angaben aus und bekommt am Ende die Möglichkeit, die Fotos direkt zu SaalDigital hochzuladen (man kann auch alles auf CD brennen und diese einschicken, aber eine normale DSL-Leitung ist zum hochladen ausreichend). Mein Fotobuch kam auf knapp 100 MB.

Danach geht es - wie von SaalDigital gewohnt - sehr schnell. Bei mir hieß das: hochgeladen am Sonntag nachmittag und Dienstag war das fertige Fotobuch bei mir zuhause. Gespannt habe ich es ausgepackt und natürlich sofort schnell durchgeblättert. Die Fotos sind in sehr hoher Qualität gedruckt (kommt natürlich auch immer auf die Vorlagen an, die man hochlädt. Man bekommt für jedes Foto eine automatische Qualitätseinschätzung, bei mir war die immer auf "sehr gut") und das besonders schöne ist die Art der Bindung, die ein Foto auch über den Seitenfalz darstellt ohne im Falz etwas zu verlieren. Das hat mir wirklich sehr gut gefallen.

Prima finde ich auch, dass nirgends im Fotobuch ein SaalDigital-Logo oder ähnliches zu sehen ist.

Mir sind jedenfalls gleich Ideen für weitere Fotobücher gekommen und ich werde dies nun öfter realisieren weil es einfach nicht nur von der Haptik etwas ganz anderes ist, ein Fotobuch in der Hand zu halten. Irgendwie schöner als die Bilder auf dem digitalen Gerät "durchzuscrollen". Natürlich kann ich nicht mit anderen Anbietern vergleichen, weil es wie gesagt mein erstes Fotobuch überhaupt war. Aber ich bin - mal wieder - sehr angetan von den Saal Digital Produkten und spreche eine klare Empfehlung aus.

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Kleines Nachtshooting am Main

Letzte Woche hatte ich mich mit drei Fotokumpels zu einem kleinen Nachtshooting in Frankfurt getroffen. Wir hatten totales Glück mit der Terminwahl, denn das Wetter war bombig, sonnig mit ganz leichter Bewölkung und für Anfang Dezember nicht allzu kalt.

Begonnen haben wir um die Zeit des Sonnenuntergangs herum, das Licht war noch ziemlich gut:

Metallic CityAm Beginn der blauen Stunde

Treffpunkt war der Holbein Steg, der sowie schon klasse aussieht und erst recht nachts eine tolle Figur macht. Hier während der blauen Stunde.

Holbein Steg

Und selbst die "Landseite" dieses Stegs ist recht fotogen, hier einmal (mehr oder weniger) streng symmetrisch.

Holbein Steg

Mich hat er an diesem Abend ziemlich fasziniert, hier nochmal aus einer anderen Perspektive.

Holbein Steg

Er bietet sich geradezu an, ihn als dynamische Führungslinie in die Bildkomposition einzubeziehen, hier ein Versuch dazu.

An diesem Abend habe ich nicht nur mein neues Stativ ausprobiert, das sich im übrigen hervorragend geschlagen hat, ich denke es wird noch einen eigenen Artikel bekommen. Nein, ich hatte auch ein Fischaugen-Objektiv dabei, das Samyang 8mm f/2.8 Fisheye UMC II, das es auch mit Fuji X-Mount Bajonett gibt. So passt es ohne Adapter an meine Kameras, nur der Fokus muss manuell eingestellt werden, da es keinen Autofokus hat. Dafür ist es auch recht preiswert. Eigentlich bin ich nicht so der Fisheye-Freund, aber einige Testaufnahmen haben dann doch den "haben will" Reflex ausgelöst. Tatsächlich kann man damit schöne Effekte erzeugen, hier im Bild sieht man z.B. links und rechts vorne die Ufermauer, die eigentlich gerade ist. Die gegenüberliegende Uferlinie habe ich durch das Zentrum des Objektivs gelegt damit dort keine Krümmung entsteht.

Main-Line with fish-eye

An den Spitzen der Hochhäuser sieht man dann schon wieder den Krümmungseffekt. Was natürlich ganz besonders schön ist, aber nichts mit dem speziellen Objektiv zu tun hat, sind die schönen farbigen Lichtspiegelungen im Main.

Darüber hinaus habe ich noch mit Zoom-Aufnahmen experimentiert, d.h. Aufnahmen mit Zoom-Objektiv wo ich während der Belichtungszeit (diese war um die 10 sec) den Zoomfaktor verändert habe. Damit kann man gerade bei Nachtaufnahmen mit vielen Lichtquellen tolle Effekte erzielen, wie z.B. hier gezeigt:

Into the city

Ich hoffe der kleine Beitrag hat Euch gefallen. Ich fand den Abend klasse, ich war in guter Foto-Stimmung und ich denke die Ergebnisse zeigen das auch. Ein paar mehr Aufnahmen davon gibt es noch in der Portfolio-Sektion:

http://vkphotos.de/index.php?/albums/frankfurt/

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Mit welcher Kamera ich fotografiere und warum

Oft werde ich auch gefragt mit welcher Kamera ich fotografiere und warum ich mich gerade für diese entschieden habe.

Dazu zuerst folgender Gedanke: es ist nicht die Kamera, die das Foto macht, sondern immer die Person, die die Kamera bedient. Sowenig wie man mit teuren Kochtöpfen besseres Essen kocht, genauso wenig macht man mit teureren Kameras bessere Fotos. Ein guter Fotograf kann auch mit dem Mobiltelefon klasse Fotos "zaubern" während ein schlechter Fotograf auch mit einer Phase One nichts tolles hinbekommt.

Was soll man sich aber nun anschaffen wenn man "ernsthaft" fotografieren möchte? Meiner Ansicht nach (und der komplette Artikel gibt natürlich nur meine Meinung wieder, ihr habt selbstverständlich das Recht, die Dinge anders zu sehen) sollte es mindestens eine der modernen Systemkameras oder eine DSLR (digitale Spiegelreflexkamera) mittlerer Preisklasse sein. Spiegelreflexkameras in der unteren Preisklasse haben einfach eine zu schlechte Bildqualität. Es gibt auch noch die Edel-Kompakten wie z.B eine Fuji X100t oder gar eine Leica Q, aber da man dort die Objektive nicht wechseln kann sind die eigentlich nur für Puristen.

Deutlich flexibler ist man mit einer Kamera mit Wechselobjektiven ausgestattet (natürlich muss man damit auch mehr mit sich herumtragen).

Ich selbst mag auch keine Kamera, deren zentrales Bedienelement ein Programmwahlrad ist und die sich nur über x-fache Menüstrukturen einstellen lässt, aber das liegt vermutlich daran, dass ich mir das Fotografieren früher mit analogen Spiegelreflexkameras beigebracht habe und es einfach mag, wenn ich einen Blendenring am Objektiv und ein Zeiteneinstellrad und Belichtungskorrekturrad an der Kamera habe.

Meine alte Contax 139 quartz

Achtet unbedingt darauf, dass sich alle Automatiken abschalten lassen, denn über kurz oder lang werdet ihr mit manuellen Einstellungen arbeiten, denn nur ihr wisst, welche Bildwirkung ihr erzielen wollt. Das kann keine Kameraautomatik leisten.

Digitale Spiegelreflexkameras sehe ich in der Endphase ihrer Entwicklung, sie werden nach und nach von den Systemkameras abgelöst werden, die das modernere Konzept haben. Aktuell sind die großen DSLRs noch bei Wildlife- und rasanter Sport-/Actionfotografie im Vorteil, aber auch das wird sich in den kommenden Jahren noch geben.

MFT-Kameras (mit Micro Four Thirds großem Sensor) konnten mich einfach noch nicht überzeugen, aber wenn sie euch attraktiv erscheinen, testet sie.

Mit welcher/n Kamera/s fotografiere ich nun? Es sind ausnahmslos Fuji Kameras, und zwar die Systemkameras X-T1 und X-T10 sowie eine Edelkompakte, die X100t.

Fuji Trio (X-T1, X100t und X-T10)

Bei den ersten beiden kann ich Objektive und Akkus beliebig austauschen, die X100t hat ein festverbautes Objektiv und ein kleineres Akkuformat, bringt aber den Charme eines Zentralverschlusses und eines Hybrid-Suchers (optisch/elektronisch) mit, die ihre Besonderheit ausmachen.

Die Fujis haben mich vom ersten Augenblick an überzeugt: Bedienelemente, wie ich sie von früher kenne, gepaart mit einer Bildqualität, die sich vor nichts bis zum "Vollformat" verstecken muss. Mich stört eigentlich der Begriff "Vollformat", was nämlich nichts weiter als das alte Kleinbildformat ist (der Begriff "Vollformat" ist eine reine Marketingschöpfung um etwas zu suggerieren, was nicht da ist, Kleinbild klang den Werbefuzzis wohl zu mickrig für die Preise, die sie aufrufen. Dadurch ist jetzt Vollformat kleiner als Mittelformat). Logisch ist das Sensorformat der Fujis um den Faktor 1,5 kleiner als das Kleinbildformat, aber mit diversen Techniken (X-Trans-Sensor, der keinen Tiefpassfilter benötigt, etc) erreicht Fuji trotzdem die Bildqualität des größeren Sensors (z.B. in bezug auf Schärfentiefe, Plastizität, usw).

Ich möchte den Artikel aber nicht zu technisch werden lassen, die Fujis haben für mich einfach das richtige Konzept, eine wunderbare Haptik und Anmutung. Ich hatte mal einen Vergleich zwischen Sony und Fuji gelesen, der als Fazit hatte, dass die Sony Kameras für Techniker entwickelt würden und die Fujis für Fotografen und dem kann ich nur zustimmen.

So, jetzt wisst ihr mit was ich fotografiere und warum. Mein Rat an alle, die sich unschlüssig sind: engt die möglichen Kandidaten auf 2-3 ein und geht in ein Fachgeschäft um euch alle mal anzuschauen, in die Hand zu nehmen und im Idealfall auch mal 1-2 Stunden auszuleihen. Dann kauft die, die euch am "behaglichsten" ist, denn eine Kamera die keinen Spaß macht, liegt viel zu oft nur zuhause herum.

Und noch eine Bitte: kauft auch bei dem Fachgeschäft, wo ihr beraten wurdet und die Kameras ausprobieren durftet. Kostet zwar vielleicht ein paar Euro mehr, aber soviel Fairness sollte sein (oft kann man auch noch etwas handeln und ist dann gar nicht so weit vom Onlinepreis entfernt).

Noch ein letzter Tipp: wenn das eigene Budget nicht für die Wunschkamera ausreicht sollte man sich den Gebrauchtmarkt anschauen. Hier lässt sich die gewünschte Kamera oft in gutem Zustand für einen deutlichen Abschlag zum Neupreis erstehen.

Update: inzwischen sind es zwei X-T2 (die Arbeitstiere), eine X100F (die Schöne) und eine X70 (die Kompakte).

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Raw oder Jpeg, das ist hier die Frage

Oft werde ich gefragt, ob ich in raw oder jpeg fotografiere. Soviel vorweg: ich habe immer raw _und_ jpeg eingestellt und bei jpeg die "Fine" Variante (höchstmögliche Auflösung).

Warum mache ich das so? Da hole ich am besten etwas aus und erkläre kurz, was die Vor- und Nachteile der beiden Formate sind.

Das bekanntere jpeg ist ein klassisches Dateiformat für Fotos. Vorteile sind einmal die Verbreitung (fast jede Grafiksoftware kommt damit zurecht) und die Fähigkeit, durch Kompression die letztendliche Dateigröße zu reduzieren. Sowie natürlich die Tatsache, dass man direkt nach der Aufnahme das fertige Foto verfügbar hat (ohne mehr oder weniger langwierige Bearbeitung).

Nachteile sind dass erstens diese Kompression nicht verlustfrei ist. Das bedeutet, dass bei jedem Speichern einer jpg Datei Informationen verloren gehen. Und zwar umso mehr, je höher man den Kompressionsgrad einstellt. Dadurch entstehen sehr schnell sog. Kompressions-Artefakte und seltsame stufige Übergänge an Farbverläufen.

Ein weiterer Nachteil wenn man nur im jpeg Format arbeitet besteht in der deutlich eingeschränkten Möglichkeit, durch Nachbearbeitung des Bildes mehr aus den Aufnahmen herauszuholen. Selbst wenn man bei der Aufnahme korrekt belichtet merkt man später vielleicht, dass ein falscher Weißabgleich an der Kamera eingestellt war, oder die Automatik bei Misch- oder Kunstlichtsituationen den Weißabgleich nicht optimal gewählt hat. Oder man möchte von einem Foto auch eine Schwarz/Weiß Version. Oder den Kontrast ändern, usw. Das kann man zwar auch im nachhinein noch aus dem jpeg mit Bildbearbeitungssoftware ändern, aber durch die Verluste des jpeg-Formats werden die Ergebnisse tendenziell schlechter sein als bei einer Raw-Entwicklung. Zudem arbeitet jpeg normalerweise noch mit einer geringen Bitrate (oft 8bit), kann also pro Wert nur 256 (2 hoch 8) Abstufungen speichern, während raws mit 12bit und mehr (meine Kamera z.B. mit 14bit) arbeiten.

Neuere Formate wie z.B. png können verlustfrei komprimieren, sind aber noch längst nicht so verbreitet.

Unter dem Raw-Format versteht man hingegen das Rohformat, das die Kamera mithilfe ihres Prozessors aus den Sensorinformationen erstellt. Hier steckt alles drin, was der Sensor aufgenommen hat, es handelt sich daher um eine Art "digitales Negativ".

Dummerweise zeigt es uns normalerweise kein Bild. D.h. wenn ich die Kamera auf nur Raw-Format einstelle, dann ist das Vorschaubild, was sie mir zeigt, eben kein Raw, sondern ein automatisch aus dem Raw erzeugtes jpeg Bild mit mehr oder weniger guter Qualität (je nach Kamera). Da die Kamera also sowieso ein jpeg erzeugt, kann ich auch raw und jpeg nutzen und mit der von mir gewählten höchsten jpeg Qualität auch dazu beitragen, dass ich die Bildschärfe am Display/Sucher so gut wie möglich beurteilen kann (also schon der erste Grund, beide Formate auszuwählen).

Aus dem raw-Format einer Aufnahme kann ich dann mit spezieller Software (sog. Raw-Entwickler, wie Lightroom, Capture One, Photo Ninja, Rawtherapee, Darktable oder viele mehr) das Foto entwickeln, d.h. meinen Vorstellungen entsprechend bearbeiten und dann als jpeg Bild exportieren. Dabei gehen die meisten Programme so vor, dass das ursprüngliche Raw nicht verändert wird, sondern nur eine Liste der auf das Bild angewendeten Änderungen gespeichert wird. D.h. wenn ich mich vertue, kann ich leicht einzelne Schritte zurückgehen oder ganz von vorne anfangen ohne mein "Original" durch Speichern überschrieben und damit zerstört zu haben.

Oft kann man eine z.B. falsch belichtete Aufnahme aus dem raw auch noch retten, da im Rohformat soviele Informationen enthalten sind, dass man z.B. eine zu dunkle Aufnahme noch genügend aufhellen kann, usw.

Hier eine zu dunkel belichtete Aufnahme direkt aus der Kamera:

Aus dem raw kann man noch das herausholen (auch wenn das Ergebnis nicht optimal ist, nichts ersetzt eine korrekte Belichtung, so ist das Bild doch noch eher zu gebrauchen und vielleicht war es ja ein besonderes Motiv, was man lieber etwas schlechter hat als gar nicht).

Nachteile vom Raw-Format sind zum einen der erhöhte Bedarf an Speicherplatz, was allerdings heutzutage bei den günstigen Preisen für Speicherkarten nicht mehr so ins Gewicht fallen sollte.

Und natürlich der zeitliche Aufwand beim Entwickeln der Bilder, der gerade am Anfang sehr hoch ist (bis man "seinen" Raw-Entwickler gut genug bedienen kann). Aber das sollte einem ein sehr gutes Bildergebnis ja eigentlich wert sein.

Zumal man, wenn raw und jpeg eingestellt ist, ja nicht jedes Foto entwickeln muss, sondern auch einfach das jpeg benutzen kann und das raw noch für spätere Feinarbeiten oder besondere Ausarbeitungen gesichert hat (wo wir beim nächsten Vorteil der kombinierten Nutzung wären).

Fazit: in jpeg shooten bringt schnellere Ergebnisse, aber wenn man das Beste aus seinen Bildern herausholen möchte, sollte man auf raw zurückgreifen. Um sich die Vorteile beider Varianten zu sichern, einfach beides aktivieren und zur Not etwas größere Speicherkarten kaufen, denn der einzige Nachteil der kombinierten Strategie besteht im höheren Speicherplatzbedarf.

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